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Nachdem sein altes Raumschiff bei einer Auseinandersetzung mit dem
Supermutanten Ribald Corello vernichtet worden ist, hat Perry nun
die »neue CREST« übernommen, das größte Raumschiff, das es je gab
und das durch sein neuartiges Pseudoraum-Flugprojektion-Antriebssystem
sogar in ein anderes Universum projiziert werden kann. Gleich beim
Testflug sind Perry und seine Freunde in ein fremdes Weltall gelangt
und dort einem monströsen Echsenwesen begegnet, das mit seinen drei
Köpfen und den ledrigen Schwingen direkt aus einem einschlägigen japanischen
Monsterfilm entflogen sein könnte. Den Raumfahrern gelang jedoch die
Flucht in einen Pseudoraum, in dem die Universen als »quallenähnliche
Gebilde« umherschwimmen, und Perry beschloß nach diesem Erlebnis,
zum »Zentrum der Universen« aufzubrechen, um »den Ursprung allen Seins«
zu suchen.
All das gehört zum Inhalt der 129 Ausgaben umfassenden
Comic-Serie »Perry
Unser Mann im All«, die in den späten Sechziger
und frühen Siebziger Jahren im Moewig-Verlag erschienen ist und seit
April 1992 im Hansjoachim Bernt Verlag einen Reprint im repräsentativen
Alben-Format erlebt. Dabei umfaßt ein Album jeweils zwei der ursprünglichen
Comic-Hefte.
Die zweiunddreißig Seiten starken, farbigen Großbände,
die den Erfolg der Romanserie »Perry Rhodan« auf den Comicsektor ausdehnen
sollten, waren 1968 mit einer Auflage von 90.000 Exemplaren und vierzehntägigem
Erscheinungsrhythmus gestartet worden. Zunächst blieben die von den
Perry Rhodan-Autoren William Voltz und Hans Kneifel getexteten Geschichten
noch eng an den Vorlagen der Romanhefte, aber schon mit Heft 8 wurde
die chronologische Reihung aufgegeben, und auch die Inhalte entfernten
sich immer mehr von denen der entsprechenden Heftromane.
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Abbildung
aus
Perry / I. Zyklus Band 7 |
Schon nach etwa fünfundzwanzig Bänden machten die Verkaufszahlen
deutlich, daß das Konzept nicht wie erwartet aufging, und der Moewig-Verlag
stellte die Reihe von vierzehntägigem auf vierwöchentliches Erscheinen
um. 1970 startete die Chefredaktion unter Lutz Kurowski dann einen
neuen Anlauf. Man setzte auf eine jüngere Generation und engagierte
als Texter den 1947 geborenen Bernt Kling, der bereits in der verlagseigenen
SF-Reihe »Terra-Nova« SF-Romane publiziert hatte.
Nach zehn Heften übernahm auf Vermittlung von
William Voltz schließlich der zwei Jahre ältere Dirk Hess die Ausarbeitung
der Szenarien. Hess hatte zu dieser Zeit bereits ein paar »Atlan«-Romane
geschrieben, besaß aber vor allem durch seine Tätigkeit für die
Comic-Reihen des Bastei-Verlages umfassende Erfahrungen mit dem
Genre und seiner typischen Erzählweise. Hess bewährte sich und blieb
bis zur Einstellung der Serie alleiniger Texter der Perry-Comics.
Es waren aber nicht so sehr die Geschichten selbst, die das Erscheinen
des 37. Bandes der Perry-Serie zu einem tiefen Einschnitt
machten. Es waren die Zeichnungen, die dem Betrachter durch ihre
Farbenpracht und vor allem durch ihre Dynamik ins Auge sprangen.
Sie entstammten dem Atelier des damals sechsundvierzigjährigen Italieners
Arberto Giolitti, der in Buenos Aires und New York gearbeitet und
1960 sein Studio in Rom gegründet hatte. Die jungen Zeichner des
Studio Giolitti orientierten sich deutlich an den amerikanischen
Superhelden-Comics und zwangen die verdutzten Perry-Käufer
zu neuen Seherfahrungen. Der erfolgreiche Pop-Art-Stil des Studio
Giolitti verhalf der Serie ab Band 72 wieder zu zweiwöchentlichem
Erscheinen. An die Stelle der traditionellen, nüchternen Zeichnungen
der frühen Perry-Ausgaben war ein grellbuntes Farben- und
Formenmeer mit bizarren Lebensformen getreten. Das konservative
Panel-Layout lockerte sich mehr und mehr, wurde in einigen Heften
sogar vollständig aufgegeben. Zeichnungselemente durchbrachen den
starren Bildrahmen, und einzelne Bilder verschmolzen zu komplexen
Einheiten.
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Den neuen Inhalten gemäß, enthielten die Zeichnungen zunehmend Elemente
der Fantasy- und Horror-Comics. Schon Perry-Heft 38 zeigte,
daß hier unbekümmerte Italiener am Werk waren, die noch keine schlechten
Erfahrungen mit einer Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften
gemacht hatten:
Mit bluttriefenden Schnäbeln schwenken Invasoren
aus einem anderen Universum, die vogelköpfigen Millies, abgerissene
Menschenköpfe herum. Chef des Perry-Teams war Starzeichner
Giorgio Gambiotti. Schon bei flüchtigem Hinsehen wird deutlich,
daß Gambiottis Truppe aus vielen Quellen geschöpft hat. Figuren
und ganze Bildmotive wurden Arbeiten des amerikanischen Illustrators
Frank Franzetta ebenso entlehnt wie Sydney Jordans Uraltserie »Jeff
Hawke« oder Paul Cuveliers antikisierendem Epos »Epoxy«. Die beiden
Köpfe des Mutanten Iwan-Iwanowitsch Goratschin erinnern fatal an
Jack Kirbys Silver Surver, und selbst Fantastic-Four-Mitglied Ben
Grimm alias das Ding wurde in Perry nebenberuflich tätig.
Die italienischen Zeichner griffen auf Figuren ihres Landsmannes
Hugo Pratt genauso zurück wie auf Motive des Spaniers Esteban Maroto,
der in seinen phantastisch-romantischen Comics die klassische Paneltrennung
ebenfalls aufgehoben hatte. Selbst bei dem französischen Erotik-Spezialisten
George Pichard bediente man sich. Die Liste ließe sich beliebig
fortsetzen. Unter den in Deutschland über den Zeitschriftenhandel
vertriebenen Comics stellte dies alles allerdings eine Revolution
dar und schien ein originäres Novum zu sein.
Zum zweiten Teil
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